Training

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Wie läuft das Training ab?


Gründe, Moderne Schwertkunst zu trainieren, gibt es viele: Die einen mag das Interesse an Rittertum und Mittelalter zum Training motivieren, andere sind vom asiatischen Hintergrund der Sportart fasziniert. Für die meisten dürfte es die ausgewogene Mischung aus beidem sein.
Moderne Schwertkunst definiert sich aber über all dem als moderne, sportliche Kampfkunst mit Schwert. Der Spaß steht ganz deutlich im Vordergrund. Und wer sich über das reine Training hinaus engagieren möchte, findet in der jungen Sportart genug Möglichkeiten, auch jenseits der Turnhalle in der Modernen Schwertkunst mitzuwirken.

Das Training beginnt mit einer kleinen Meditation, um sich auf das bevorstehende Training vorzubereiten. Nach einigen Aufwärmübungen, die das Verletzungsrisiko an Muskeln und Gelenken verringern sollen, beginnt das eigentliche Training, das waffenlose Techniken als auch Übungen mit Holzschwert in drei unterschiedlichen Weisen umfasst: Grundschule, Formen und Partnerübungen.

Grundschule

Die so genannte Grundschule soll dem Schüler die Bewegungen am Schwert vermitteln. Er übt ohne Partner und wiederholt einfache Schläge oder komplexe Folgen sozusagen in die Luft, gegen einen imaginären Gegner. Das technische Repertoire am Schwert ist vielfältig. Was reine Angriffstechniken anbelangt, so ist grundsätzlich zwischen Stichen, Schnitten und Hieben zu unterscheiden. Weil unser Schwert zweischneidig ist, gibt es bei letzteren Techniken auch Angriffe "aus der Rückhand".
Auch die verschiedenen Griffweisen erweitern die Möglichkeiten, das Schwert zu führen. Hier trennen wir grundsätzlich zwischen Anderthalbschwert-, Einhand- und Halbschwertführung, also mit einer Hand am Griff und einer im Blatt der Klinge, die auch im mittelalterlichen Original — je nach Schwerttyp und Anwendungsgebiet — verhältnismäßig stumpf war. Überliefert sind sogar Techniken mit beiden Händen am Blatt! Der Anfänger lernt zunächst die sog. anderthalbhändigen Techniken, also mit beiden Händen am Griff: eine am oberen Teil des Griffes, eine am Knauf.
Neben diesen Möglichkeiten, die uns das Schwert als Waffe bietet, sind im Training auch Fallschule für spätere Wurftechniken sowie waffenlose Techniken oder gar Bodenkampf enthalten.
Bei all den unterschiedlichen bewaffneten und waffenlosen Angriffs- und Verteidigungstechniken dürfen Schwerttechniken nie isoliert betrachtet werden, sondern müssen auf der Grundlage einer soliden Beinarbeit bzw. Schrittarbeit trainiert werden. Deshalb wird von Anfang an besonders viel Wert auf korrekte Stellungen und komplexe Bewegungsvielfalt gelegt. Der fortgeschrittene Schüler soll in den höheren Übungen keine festgelegten Schrittfolgen mehr lernen müssen, sondern stabile Stellungen und schnelle Beinarbeit "automatisiert" anwenden, um sich jetzt ganz auf die präzise Ausführung seiner Schwerttechniken konzentrieren zu können.

Formen

Bestimmte Abläufe (festgelegte Bewegungsmuster), die immer wiederkehren und auch Teil des Prüfungsprogrammes sind, werden in den Formen eingeübt. Hier führt der Schüler eine Art Kampf gegen imaginäre Gegner aus.
Festgelegte Abläufe von Techniken dienten im alten Japan der Erinnerung und Weitergabe der enthaltenen Einzeltechniken und sollten gleichzeitig — als in ihrer Ästhetik immer weiter zu perfektionierender Bewegungsmeditation — dem Trainierenden zur nötigen inneren Ausgeglichenheit führen. Diesem Anspruch folgt auch die Moderne Schwertkunst, die Aspekte vor allem von Zen-Gedanken ihren Trainierenden in das Alltagsleben mitgeben will. Jedes Training ist eine zwischenmenschliche Konfliktsituation innerhalb festgelegter Übungen; sie kann auf jede soziale Interaktion übertragen werden und stärkt so allgemein das Selbstbewusstsein und die Sozialkompetenz der Trainierenden.

Partnerübungen

Partnerübungen reichen von abgesprochenen Techniken am Partner bis hin zum gänzlich freien Technikaustausch und sollen dem Schüler das Gefühl für seine Waffe im Umgang mit einem Partner vermitteln. Der Freikampf ist — von der technischen Seite her gesehen — das oberste Ziel in der Modernen Schwertkunst, wenngleich mancher Schüler seinen persönlichen Schwerpunkt anders setzt und sich beispielsweise lieber in den Formen mit seinen Kollegen misst. Mit einem Augenzwinkern könnte man dem allerdings entgegnen, dass wir Fechten mit dem Schwert lernen, um mit dem Schwert zu fechten.
Dahinter steht auch die stets weiterschreitende Entwicklung des Einzelnen im Laufe seines Trainings: Den höchsten Anspruch an sportliche wie geistige Bewegung, die im Sport entwickelte Konzentration, antrainierte Geschicklichkeit und erlernte Technik stellt der Freikampf.


Welche Ausrüstung wird für das Training benötigt?

Im Training wird ein schwarzer asiatischer Kampfsportanzug (Gi) getragen. Vor allem die Hosen dieser Trainingsanzüge sind im Schritt weit genug geschnitten, um alle Stellungen und Bewegungen in der Modernen Schwertkunst nicht einzuschränken. Um ein besseres Gefühl für das eigene Gleichgewicht zu entwickeln, wird barfuß trainiert.

Als Trainingsgerät benötigt der Anfänger zum Einstieg in die Moderne Schwertkunst noch kein Schwert, sondern kann mit einem etwa 1,10 m langen Holzstock seine ersten Übungen beginnen. Je zügiger ein Schüler aber auf das hölzerne Schwert umsteigt, um so weniger Fehler schleifen sich ein und um so schneller begreift er die Handhabung der Waffe: Während ein Stock ja rund ist, muss beim Schwert selbstverständlich mit der richtigen Seite der Klinge angegriffen werden. Die Holzschwerter unterliegen Verbandsrichtlinien und werden von mehreren Händlern vertrieben. Später wird sich ein fortgeschrittener Schüler Schutzausrüstung für die Hände und den Genitalbereich anschaffen. Für den Freikampf ist Schutzkleidung (Helm, Körperschutz) notwendig. Im Normalfall wächst diese Schutzausrüstung Schritt für Schritt.


Der Lehrplan und die Graduierungen

Zu dieser bequemen Sportkleidung, wird eine rote Schärpe getragen, die den jeweiligen Kenntnisstand widerspiegelt. Anfänger beginnen mit einer roten Schärpe (0. Grad), die mit Erreichen einer höheren Stufe jeweils mit einem weißen Querstreifen versehen wird. Die immer weißer werdende Schärpe begleitet ihren Träger so über seine gesamte Lehrzeit und wird zum persönlichen Identifikationsobjekt.

Das Graduierungssystem ist als Lehrplan der rote Faden, der sich durch das Training des einzelnen Schülers zieht. Er wird vom Verband für Moderne Schwertkunst in Bayern e.V. erarbeitet und regelmäßig aktualisiert.